Top Five meiner liebsten Reaktionen

Wer sich durch Leserbriefe exponiert, bekommt öfters mal ungefragte Fanpost, meist anonym. In besonders netten Fällen kommen Belästigungen am Telefon und persönliche Drohungen dazu. Hier meine Top Five der beliebtesten Reaktionen auf meine Leserbriefe:

Der Klassiker 

Meine politische Frühzeit war auch diejenige Jasmin Hutters. Am Ende Ihrer politischen Karriere war sie im Vergleich zu 2004 eine gemässigt-rechte Volksparteilerin. Hin und wieder habe ich damals Kommentare zum Hutter'schen Treiben veröffentlicht, wobei diese das vollständig ignoriert hat, was für ihren Charakter spricht.

Nicht so ihre Anhängerschaft, die mir auf einem schmierigen Notizzettel eine Nachricht zukommen liess: An einem Zeitungsausschnitt über eine Schulklasse in St. Fiden (Stadt St. Gallen), die seit jüngstem zu 75% aus Ausländern bestand, war die Nachricht geheftet:
"Heb d'Schnorra du domma huara siach. Liesisch denn koa zitig".
Da beschloss ich, politisch zu werden und nach Diepoldsau zu ziehen.

Der Verletzte 

In St. Margrethen wohnt ein Albertino Pierrino Steiner, der sich gelegentlich durch zwei Dinge bemerkbar macht:
  1. Er schreibt nicht einfach Leserbriefe, sondern Aphorismen, deren Inhalt einheitlich den Endsieg Christoph Blochers und der SVP voraussagen.

  2. Er tritt in der Arena als "Politberater" auf und zerpflückt den politischen Gegner in einer für diesen und die Zuschauer nicht nachvollziehbaren Weise.
Ebendieser Albertino Pierrino Steiner reagierte auf einen meiner Leserbriefe, indem ich seinen Kreuzzug gegen die EU mit einem Fragezeichen versah, mit der Drohung, " ab sofort die gesamte Korrespondenz meinem [also seinem] Anwalt zu übergeben". Ich hatte eigentlich an die Zeitung geschrieben...

Der Rabiate 

Als Toni Brunner im zweiten Wahlgang zum St. Galler Ständerat stand, schrieb ich meinen feedbacktechnisch meistbeachteten Leserbrief. Im positiven Sinne erhielt ich Telefonanrufe und Emails von Leuten, die mir dafür gedankt haben, dass endlich jemand zu Roland Rino Büchel Stellung genommen hat. Das war sehr nett. Aber nur zwei Wochen danach traf ich ihn auf dem Balger Weihnachtsmarkt. Wir sammelten Unterschriften für die Vereinfachung der Steuererklärung.

Roland Rino Büchel lief an mir vorbei, sah mich aus den Augenwinkeln und reagierte Blitzschnell: "So Jäger (eigentlich waren wir per Du), kommst Du draus?" Er beantwortete die damit nicht einmal rehtorische Frage gleich selbst:"Ich glaube nicht. Ich glaube, Du kommst überhaupt nicht draus. Wir sollten einmal einen öffentlichen IQ-Test machen, dann wirst Du schon sehen."

In meinen Augen liegt das beleidigende Element in dem von ihm implizit vorausgesagten Ergebnis des IQ-Tests. Das war mir gegenüber eindeutig ehrverletzend. Aber man ist ja nicht kleinlich.

Der Subtile 

Viel Freude habe ich mit meinem Kommentar zu Thomas Müllers (CVP NR, Rorschach) Glanzidee, neu Eingebürgerte in der Kriminalitäts- und Sozialhilfestatistik separat zu führen, verursacht. Neben einigen freundlichen Telefonanrufen und Briefen bekam ich einen clandestinen kleinen Zettel:
Das ist nicht ok, was Du mit der CVP machst, nachdem sie uns in den Gemeindewahlen so geholfen haben. Dein Fredy von der FDP Diepoldsau
Spannend ist, dass wir in der Diepoldsauer FDP natürlich gar keinen Fredy haben.

Der Weitsichtige 

In den grossen Zeiten der Leserbriefschlachten habe ich einen Beitrag zum Abstimmungskampf zu Schengen/Dublin geschrieben, der nicht unbedingt brilliant war. Der von mir hochgeschätzte SVP-Präsident Herbert Huser schrieb darauf eine Antwort, die mit meinen Aussagen zwar nichts zu tun hatte, aber taktisch gesehen von einer bemerkenswerten Klugheit zeugt, weshalb er hier in voller Länge zitiert werden soll:

Der Schock der im Rheintal deutlich verlorenen Abstimmung über Schengen/Dublin sitzt beim Rheintaler-FDP-Antreiber Michael Jäger offenbar noch immer tief. Anders ist es nicht zu erklären, warum er Zweidrittel der Rheintalerinnen und Rheintaler auch bei der nun anstehenden Abstimmung für unfähig hält, sich zu dieser Vorlage eine eigene Meinung zu bilden. Eine derart überhebliche Einstellung eines (ambitionierten) Parteiexponenten trägt mit Sicherheit mehr zur Politikverdrossenheit der Bevölkerung bei als eine hart, aber fair geführte Auseindandersetzung zu einer Sachfrage. Dass Herr Jäger der SVP attestiert, im laufenden Abstimmungskampf mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln überzeugender und letztlich beim Bürger erfolgreicher zu sein als die ganze übrige Wirtschafts- und Politprominenz mit Millionenbudgets und all den gekauften Verbänden, Standaktionen und Leserbriefen, ehrt uns natürlich. Auch darum wird die SVP Rheintal den eingeschlagenen Weg weitergehen. Ebenso werden wir wie bisher auch künftig andere Meinungen akzeptieren - egal von wem und zu welchem Thema. Dasselbe Recht nehmen wir jedoch für uns in Anspruch. In das Einheitskonzert der politischen Heimatverkäufer werden wir darum auch künftig nicht einstimmen, auch wenn dies Herr Jäger noch so beklagt. Denn unsere Devise lautet nicht: «Wahlsieg statt Wohlstand», sondern «Wahlsieg und Wohlstand». Das ist nicht Selbstzweck, sondern aktive Politik für jene Mehrheit der Rheintalerinnen und Rheintaler, deren Interessen auch bei der bevorstehenden Abstimmung vom 25. September einmal mehr nur von der SVP vertreten werden.

Herbert Huser
Präsident SVP Rheintal
An dieser Stelle einen Applaus für Herrn Huser.

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9 Kommentare

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Gepostet von Konrad Schläpfer 04.03.08
Und jetzt möchte der intelligente Leserbriefschreiber noch in den Kantonsrat.Wir brauchen keinen Kantonrat dessen einzige Fähigkeit darin zu bestehen scheint andere schlecht zu machen.
Sich mit diesem Leistungsausweis für einen Sitz im Kantonsrat zu bewerben ist schlicht und einfach eine Frechheit und eine Verarschung der Wähler!
Konrad Schläpfer,Berneck

Gepostet von Michael Jäger 04.03.08
Wegen Leuten wie Ihnen, Herr Schläpfer, schreibe ich so gerne Leserbriefe, in denen ich auch mal Kritik an denjenigen Menschen übe, die dumpfe "Ausländer raus"-Parolen absondern oder andere Aussagen machen, die ich für falsch halte.

Aber das allein ist kein Leistungsausweis, da haben Sie sicher recht. Sie könnten mich aber in den Kantonsrat wählen, damit ich Ihnen meine Leistungsfähigkeit beweisen kann?


Gepostet von Norbert 09.03.08
Guten Abend Michael. Gute Homepage die Du aufgeschalten hast, sehr symapthisch !

Auch ich hatte ein Erlebnis mit Rino Büchel. Um es kurz und bündig zu sagen: Unglaublich ja sogar furchtbar. Ich habe ihn nämlich gebeten, seine persönlichen konkreten Lösungsvorschläge zum Verkehrsproblem Rheintal mitzuteilen. Auf diese Vorschläge warte ich heute noch, anstelle dieser Vorschläge hat er mich aufs Massivste und sehr primitiv zusammengepfiffen. Typisch SVP halt. Darum fehlt halt der Chrigl Blocher in Bern, denn die SVP hat es heute noch nicht begriffen, dass der Stil höchst unanständig, verletzen und primitiv ist. Der Herr Siegenthaler aus Bern hat mit seinen Aussagen welche im Blick erschienen sind, vollumfänglich recht.

Ich wünsche Dir einen erfolgreichen Wahlkampf und grüsse Dich herzlichst

Norbert Bösch
Kantonsratskanditat
Grènliberale Partei (GLP)

Gepostet von Michael Jäger 10.03.08
Hoi Norbert,

erstmal danke für die Blumen. Die massive Art ist ihm tatsächlich eigen, aber wir haben dank Parteiaustritten und Richtungsdiskussionen bei und in der SVP ja Hoffnung, dass sich da etwas ändert.

Und wie hat Andreas Rüdisüli am Samstag zu den Wahlchancen so richtig geschrieben:

"Umstritten ist der Hardliner Roland Rino Büchel; er könnte gemässigten SVP-Wählern zu weit rechts stehen. "

Auch Dir viel Erfolg bei den Wahlen!

Gruss,

Michael

Gepostet von steiner albertino pierino 06.09.54
Lieber Maichael Jäger
Was Du erwähnst könnte wahr werden, aber nicht der Anwalt, sondern wir duellieren uns in nächster Zeit betreffend EU, Lissaboner Vertrag, Parteien-Landschaft usw.
Das wäre doch Fairness, oder nicht?
Im uebrigen würde ich Dich gerne einmal in der Arena sehen.
Ich erwarte Deinen Termin-Vorschlag. Bitte die Presse auch einladen.
Freundliche Grüsse
Albertino Pierino Steiner

Gepostet von Michael Jäger 06.09.26
Hallo Albertino,

na klar - ich stehe gerne zur Verfügung. Ich schätze diesen Brüllaffen-Ton, den Blocher/Brunner in der Arena eingeführt haben, zwar nicht besonders, aber ich tue mein Bestes, von der FDP bestellt zu werden.

Gruss,

Michael

Gepostet von steiner albertino pierino 06.09.47
Michael Du hast vergessen, dass ich parteilos bin und ich jede Meinung vertreten kann, dies auch nach 43 Jahren FDP-Zugehörigkeit.
Gruss Albertino

Gepostet von Michael Jäger 06.09.32
Wobei eine Partei-Meinung ja doch eher vorherrscht, wenn ich Deine letzten Leserbriefe und Auftritte Revue passieren lasse - und die ist nicht unbedingt freisinnig...

Gepostet von Ugugu 09.07.08
obacht, da gehts ja so richtig zur sache, bei euch im wilden osten.

(btw: jetzt mit "backlinks" und so, ist es ein richtiges blog ;-)

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