Der Bund lässt alle Hüllen fallen: Microsoft ist Bedingung

Die Open Source Gemeinde der Schweiz hat geklagt: Die Verwaltung hatte einen Auftrag über die Verlängerung von Lizenzen in der Summe von 42 Mio. Franken freihändig an Microsoft vergeben. So ganz ohne Ausschreibung ist das recht fragwürdig.
Die Klage wurde gestern abgewiesen. Die Open Source Anbieter sind nicht klageberechtigt, da sie ja gar keine Microsoft-Produkte liefern können und somit von der Ausschreibung nicht betroffen sind. Das verleitet Blogger Konrad Hädener zu der Aussage, da habe man sich ins eigene Knie geschossen.
Für die Verfechter des OSS-Modells droht der Entscheid zum Schuss ins eigene Knie zu werden. Sie haben quasi ohne Not in einem fahrenden Schnellzug die Notbremse gezogen, um mit der Bahngesellschaft über ihren Fahrplan oder das Rollmaterial zu diskutieren.
Das Gericht sagt es noch deutlicher: Eine Einsprache ist nicht zulässig, da eine Abkehr von Microsoft einen Strategiewechsel beim Bund bedeuten würde, was die Beschaffungsmechanismen nicht vorsähen.

Anders gesagt: Da eine fixe Vorgabe besteht, wer die Produkte liefern muss, gibt es keine Ausschreibung. Die Beschaffung von Microsoft-Produkten ist somit bereits beschlossene Sache, bevor der Auftrag auch nur formuliert ist. Die Open Source Community hat zwar einen Prozess verloren, bevor er begonnen hatte, aber ein Sieg ist ihr Gewiss: Unser Land wird sich Gedanken machen müssen, ob wir ein Monopol auf staatliche Verwaltungsprozesse an den Redmonder Konzern dulden wollen. Sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus sicherheitpolitischen Überlegungen heraus ist das keine tragbare Strategie. Von einem Schuss  ins Knie ist dieses Ergebnis weit entfernt.

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6 Kommentare

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Gepostet von Konrad Hädener 08.07.10
Merci für die sachliche Replik. Ich präzisiere:

Mit dem Schuss ins eigene Knie meine ich den hoffnungslosen Versuch, mit dieser Beschwerde die Informatikstrategie des Bundes ändern zu wollen. Dafür gibt das öffentliche Beschaffungsrecht keine taugliche Basis ab. Wenn ich die IT-Strategieorgane des Bundes in meinem Sinne beeinflussen wollte, würde ich meine Verhandlungspartner kaum ohne verlässliche Erfolgsaussichten vor Gericht zerren und das medial noch an die ganz grosse Glocke hängen. Dieser juristische Schlagabtausch hinterlässt unnötige Narben.

Es besteht keine „fixe Vorgabe, wer die Produkte liefern muss.“ Hingegen besteht im Rahmen der aktuellen IT-Strategie des Bundes eine „fixe“ Vorstellung davon, wie ein Standardarbeitsplatz auszurüsten ist. Dazu gehören MS Windows und MS Office. Über diese Wahl mag man geteilter Meinung sein. Wenn man sie akzeptiert, ergibt sich der Lizenzlieferant von selbst. Andernfalls – und ich akzeptiere in dieser Frage auch andere Meinungen – muss die Produktauswahl im Rahmen der IT-Strategiefindung neu überprüft werden. Der Strategieprozess und der Beschaffungsprozess werden von unterschiedlichen Bundesstellen geführt und sind unterschiedlich reguliert.

Und Microsoft hat kein „Monopol auf staatliche Verwaltungsprozesse“ – ebenso wenig wie sich Apple trotz durchschlagendem Erfolg seines iPhone ein Monopol auf die nationalen Mobilfunknetze erworben hätte.


Gepostet von Michael Jäger 08.07.10
Ebenfalls danke für die (an dieser Stelle leider oftmals) ungewohnte Sachlichkeit.

Ich teile Ihre Meinung, dass das Gericht kein Veranstaltungsort für PR-Aktionen sein soll. Faktisch geht es ja wirklich um einen Strategiewechsel und da sehe ich es genau so wie Sie auch. Man kann (und muss) über die Strategie diskutieren.

Aber beim Monopol scheiden sich die Geister. Faktisch (weil strategisch vorgegeben) hat Microsoft ein Monopol auf dem Desktop unserer Bundesbeamten. Wenn ich meine Steuereklärung machen will, bekomme ich eine Excel-Vorlage vom Steueramt. Kann es sich ein Staat auf Dauer leisten, sich alternativlos, auf Gedeih und Verderb einem Konzern auszuliefern? Warnungen kommen aus berufenem Munde.

Gepostet von Paddy 15.07.10
Wie sollte der Arbeitsplatz IT-seitig denn deiner Meinung nach aussehen?

Wäre es Apple, hätten die das "Quasi-Monopol". Wäre es Open Office, wären es die. Irgendwann hat man halt mal entschieden, wer's ist. Das zu wechseln wäre wohl um ein Mehrfaches teurer als die alleinigen Lizenzkosten bei MS.

Gepostet von Dominik Zogg 16.07.10
Es fällt mir schwer beim letzen Kommentar ruhig zu bleiben.

Neben der Tatsache, dass beim Vergleich Apple, MS und Openoffice im warsten Sinne Äpfel mit Birnen verglichen werden (Firma, Firma, Softwareprojekt) ignoriert mein Vorschreiber auch, dass man mit offenen Formaten, sofern man sich an Sie hält und Sie gut dokumentiert sind (genau hier scheitern die neuen Dateiformate von Microsoft) keine Monopolstellung aufbauen kann.

Falls doch, dann nur, weil kein anderer mitmischen will, nicht aber desshalb, weil er nicht die Möglichkeit dazu hätte.

Gepostet von Alexander 08.08.10
Um was geht es hier eigentlich konkret? Ist OS nicht, wie es der Name schon sagt, frei verfügbart?

....einfach mal lesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Source

Gepostet von Dominik Zogg 11.08.10
Neben dem, das OS die Abkürzung für Operating System ist, ich gehe mal davon aus, dass Sie von OSS (Open Source Sofware) sprechen. Opensource Software bedeutet nur das man dem \"Käufer\" die Sourcen unter teils sehr unterschiedlichen Bedigungen zur Verfügung stellt. Das kann das ledigliche Einsehen von Progammcode sein, bis hin zur Möglichkeit alles mit dem Code zu machen.

Mit Kosten, so definiere ich mal die Aussage \"frei vefügbar\" hat das grundsätzlich nichts zu tun.

Opensource heisst nur Quelloffen nicht mehr und nicht weniger.

Freie Software, von der Sie glauben zu sprechen definiert sich auch nicht über die \"Freiheit im Preis\", sodern durch die Freiheit damit zu tun und lassen was man will.

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