Es fällt inzwischen ein bisschen auf: Bei der Kanti-Renovation hat der von mir hoch geschätzte Rheintaler SVP-Präsident und Kantonsrat Herbert Huser im Dreisatzverfahren errechnet, dass der Neubau zu teuer sei. Das hat ihm kantonsweit Medien-Echo eingetragen. Beim Haus 24 wendet er die gleiche Mechanik nochmals an. Aber erheblich erfolgreicher, denn diesmal stehen die kantonale SVP und der Gewerbeverband hinter ihm. Ob da jemand höhere Ambitionen hat?
Natürlich gebührt Herbert Huser unser aller Respekt, dass er als kompetenter Architekt und steuerbewusster Parlamentarier die Bauvorlagen im Kanton gerne kritisch unter die Lupe nimmt. Dennoch möchte ich mir - meiner absoluten fachlichen Inkompetenz bewusst - erlauben, seine Argumente zu hinterfragen. In einem Leserbrief vom heutigen Dienstag (Der Rheintaler und Volkszeitung) schreibt er:
Im April 2007 hat der Kantonsrat mit den Stimmen der SVP fast einstimmig dem Ausbau des Hauses 24 am St.Galler Kantonsspital für 15 Millionen Franken zugestimmt. Kurz vor dem Spatenstich, nachdem bereits hunderttausende Franken für Planungs- und Vorbereitungsarbeiten ausgegeben waren, wurde das Bauvorhaben gestoppt. Die Begründung war so einfach wie typisch für unser Baudepartement: falsche Zahlen! Dieses Beispiel hat einmal mehr deutlich gemacht, wie seriös die Bauverantwortlichen unseres Kantons Abklärungen treffen, bevor Millionen an Steuergeldern für Bauvorhaben ausgegeben werden.Sachlich immerhin zur Hälfte richtig. Aber es war nicht das Baudepartement, das falsch gerechnet hatte, sondern die Regionalspitäler hatten den Bedarf nicht korrekt angegeben. Das lässt sich selbstverständlich belegen:
Die harsche Kritik zielt damit auf den falschen Adressaten, was im Kurzzeit-Gedächtnis des Durchschnitts-Lesers unterzugehen droht. Bauchef Willi Haag hatte gerade noch rechtzeitig den Stecker gezogen, bevor 15 Millionen Steuergelder in einen untauglichen Bau gesteckt werden konnte. Das Gesundheitsdepartement hat hier den schwarzen Peter verdient. Dessen ungeachtet geht es im gleichen Stil weiter:
Leider nicht anders verhält es sich auch bei der jetzt vorliegenden Neuauflage des Projekts für 33 Millionen Franken, über die wir am 7. März abstimmen werden. Gegenüber der ursprünglichen Bauvorlage wurden die Nutzflächen und die Gebäudekubatur aus vertretbaren Gründen um rund 60 Prozent erhöht, die Gebäudekosten stiegen hingegen um sagenhafte 170 Prozent! Dies bedeutet Mehrkosten von über 7 Millionen Franken, die sich mit nichts rechtfertigen lassen, weder mit der Teuerung noch mit dem Minergiestandard.Korrekt. Es lässt sich nur dadurch erklären, dass beim Bau eine Vergrösserung des Projekts nicht zu einer linearen Kostensteigerung führt. Zum Glück hat das Baudepartement die Mehrkosten entgegen Husers Aussage sauber ausgewiesen:
| 1'300'000 Fr. | Teuerung |
| 700'000 Fr. | Notstrom für Betriebssicherheit |
| 100'000 Fr. | Liftanlage |
| 700'000 Fr. | Anteil statische Massnahmen |
| 800'000 Fr. | Klimatisierung Lagerräume |
| 900'000 Fr. | neue Minergievorschriften |
| 900'000 Fr. | Überarbeitung Projekt |
| 300'000 Fr. | neue EDV Richtlinien |
| 200'000 Fr. | Aufwendungen aus Pathologie |
| 5'700'000 Fr. | Betriebssicherheit Haustechnik |
| 100'000 Fr. | Diverse Kleinarbeiten |
| 11'700'000 Fr. | Mehrkosten |
Ob wirklich ein sachlicher Anlass zu diesem Leserbrief geführt hat? Vielleicht verstehe ich ja wirklich zu wenig vom Bauen. Oder von Politik.
