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Minarette als selbsterfüllende Prophezeiung oder 1A Marketing


Beitrag vom 12.11.2009
Gestern Abend durfte ich Lukas Reimann an einer Podiumsdiskussion zur Anti-Minarett-Initiative erleben. Flankiert von Lisa Leisi (EDU) gab er bekannte Argumente zum Besten. Erhellend war für mich denn auch nicht die Diskussion selber, sondern die Stimmung der mehrheitlich volksparteilichen Zuhörer. Das hat Erschreckendes zutage gefördert.
Der volle Sonnensaal in Krummenau (Toggenburg) murrte, als die Contra-Seite ihre Argumente vortrug. Aber auch die Pro-Vertreterin der EDU wurde nicht eben freudig empfangen. Als Lisa Leisi das schlagende Argument darlegte, dass nicht alle Moslems schlecht, aber der Islam von Grund auf Böse sei (ich musste mein Abendessen zwanghaft wieder runterwürgen), wurde dies höflich ignoriert. Nur der Polit-Star Reimann wurde mit tosendem Applaus bedacht.

Die Voten aus dem Publikum setzten die Indoktrination der SVP-Propaganda konsequent fort: Eine Frau meinte, sie würde Nein stimmen, damit ihre Kinder nicht den Koran auswendig lernen müssten. Ein anderer fügte an, dass der Islam Europa erobern wolle und wir uns wehren müssten. Die haben das ernsthaft geglaubt.

Meine Erkenntnis ist, dass man auch im Polit-Marketing nicht nur bestehende Bedürfnisse aufnehmen, sondern auch neue wecken kann. Reimann sagte nicht mehr, als dass der Anteil der islamischen Bevölkerung in den letzten Jahren rasant gestiegen sei und schon verbreitete sich die Angst, wir würden in der Bundesverfassung Gott durch Allah ersetzen.

Die Initiative kann kein einziges der angesprochenen Probleme lösen, kann keine Ängste nehmen oder eine Zuwanderung verhindern. Und dennoch klatschten die SVP-Anhänger wie Teenies bei Take That, weil "endlich etwas getan werden muss". Am 29. November muss die Schweizer Bevölkerung beweisen, dass Demokratie funktioniert und mehrheitlich immun gegen infame (nein, nicht Imame) Marketingstrategien ist. Ich habe zumindest Hoffnung.

PS: Zu meiner grossen Freude konnte ich eine weitere Erkenntnis hinzufügen. Lukas Reimann liest nach eigenen Angaben meinen Blog. Wenn auch nur bei einem Google Alert. Immerhin.




12.11.2009

na, wenn das noch hilft, dass der reimann hier mitliest :)
meiner erfahrung nach, sind die forderungen der radikalen muslime (fundis) und der radikalen svp, doch sehr nahe beieinander... zumindest teilweise... leider, müsste man schon fast sagen...
lese ihr blog regelmässig und finde ihre witzig-pointierte art gut. nur weiter so.


12.11.2009

Die Erfahrung teile ich - bei einigen Votanten gestern hätte man nur noch Bart und Turban hinzufügen müssen und schon hätte man einen erstklassigen Hass-Prediger gehabt.

Danke auch für die Blumen. Das gibt Motivation.


gaby
12.11.2009

Ich sags ja immer: Herr Blocher wird in die Schweizer Geschichte eingehen, als die Person, die eine gewisse Schicht Menschen, süchtig nach politischem \"Fast-food\" gemacht hat. Als der Inbegriff, des antiaufkärerischen, volksverblödenden Bauernfängers. (Erste Kapitel sind schon geschrieben:-)

Lustig an Reimann (wie allen Blocherepigonen) ist ja, dass sie im Prinzip genau so sind, und dasselbe tun, was sie ihren \"grössten Feinden\" vorwerfen.

(Sie fürchten sich sozusagen, vor ihren eigen Schatten. wie abi oben anklingen lässt)

Würde in den Kirchen, dasselbe Menschenbild gepredigt, die Hetze getrieben, die Verschwörungstheorien verbreitet, wie die SVP dies in Moscheen vermutet, wären unsere Kirchen voll! Voller SVP-ler! Der Stammtisch in der Moschee..öhm der Kirche. Oder so.

Die Weischeier und die Gutmenschen wären dann dort nicht mehr alleine. Weil endlich kein Wischiwaschi mehr verzapft würde. Also ganz nach dem Geschmack der \"Fast-food Schweizer\".

;-)



Bo
12.11.2009

Bei der ganzen Argumentation der Pro-Initianten und deren Anhängern kommt nicht nur dir das letzte Essen hoch. Dass ein so grosser Teil des Volkes seine Sinne so vernebeln lässt macht mir Angst. Ich hoffe dass ende November der Anteil doch nicht so hoch sein wird und ich wieder in Ruhe schlafen kann...


tin
12.11.2009

Es könnte knapp werden

http://www.vienna.at/news/politik/artikel/mehrheit-fuer-anti-minarett-initiative-in-der-schweiz/cn/news-20091112-03302772


Hansjuri
12.11.2009

"Die Voten aus dem Publikum setzten die Indoktrination der SVP-Propaganda konsequent fort: Eine Frau meinte, sie würde Nein stimmen, damit ihre Kinder nicht den Koran auswendig lernen müssten."
So lange die Frau "Nein" stimmt ist mir das egal. Ich hoffe sowieso, dass einige SVPler aus Reflex "Nein" sagen werden.... ;-)


gaby
12.11.2009

erstaunlich eigentlich; auswendig lernen ist doch die kernkompetenz der svp wähler...

ja, volksverblödung lässt sich eben einfacher und effizienter betreiben 1995 (14%) 2007 (29%) als volksbildung und aufklärung. die frau, die nein schreibt, damit ihre kinder nicht den koran auswendig lernen müssen, ist eine typische vertreterin der "prozentsteigerungszielgruppe" auf welche die svp nomenklatura so stolz ist. (und sich geichzeitig gerne einbildet, daruf wären die andern parteien neidisch...:;-))


12.11.2009

@Hansjuri: Sie meinte Nein zu Minaretten. Aber es gab tatsächlich eine SVP-Gemeinderätin aus Krummenau, die gestern Nein zur Initiative gesagt hat. Aus Gewohnheit.

@Gabi: Also rein von den Prozenten her ist da schon etwas Neid. Aber qualitativ gesehen, trinke ich lieber ein Glas Wein mit Privatbankier Hummler als ein Bier mit Toni im Haus der Freiheit.


Dominik Zogg
13.11.2009

Ich würde so frisch und fröhlich behaupten, dass es hier nur um eines geht: Ein Example statuieren... Und man will schauen wieviele des Volkes bereit dazu sind, rassistisches Gedankengut zu vertretten.

Eine Frage stell ich mir allerdings schon: Ob gewisse Personen aus gewissen Nationen, welche die Bahnhöfe zu Ghettos machen, mit dieser Initiative aufgehalten werden können...


ruedi h.
13.11.2009

man sollte die pro-initianten nicht verhöhnen! das ist ebenso billig, blöd und ein überhaupt keinen deut besseres verhalten!! da staune ich jetzt wirklich über einige kommentare hier.....

na ja, ich bin auch gegen die initiative! aber die gefahr, die vom islam ausgeht, die ist real - und das ist kein rassismus! herr jäger hat dies in einem kürzlichen leserbrief bestätigt!


13.11.2009

@Ruedi H: Nunja, ein bisschen Humor ist sicher nicht verboten. Eine kleine Richtigstellung möchte ich aber machen. Ich habe geschrieben, der Islam verursache reale Probleme. Dass er eine Gefahr ist, scheint mir etwas hoch gegriffen.


ruedi h.
13.11.2009

ok, reale probleme. humor ist auch ok. aber hoffentlich wird uns allen nicht in 30, 40 jahren das lachen vergehen........ meiner meinung nach dürften wir ruhig mehr von den moslems abverlangen, vor allem, was die säkularisierung anbetrifft! ich finde es schade, dass unsere toleranz-, resp. gleichgültigkeitsgesellschaft meint, alles akzeptieren zu müssen! aber lassen wir der geschichte ihren lauf.......


Hansjuri
13.11.2009

@Ruedi H.
Ich wollte die Pro-Seite nicht verhöhnen und war eigentlich von Anfang an überzeugt, dass sich hier ein Fehler im Blogartikel eingeschlichen hat. Im zweiten Satz bemühe ich natürlich schon ein bisschen das Klischee vom ewig Nein-sagenden SVP-Wähler, was sicher nicht ganz ok ist. Tatsache ist, dass es immer wieder zu Verwirrungen kommt, weil man \"Ja\" stimmen muss wenn man gegen Minarette ist und umgekehrt.
Und ich gehe mit euch beiden einig, dass man
a) nicht das Gefühl haben kann, alles sei ok, wir hätten gar keine Problem mit Leuten aus diesem Kulturkreis und Leute die \"Ja\" stimme seinen alles doofe Rassisten
b) die Initiative abzulehnen ist
c) die Abstimmung für \"meine\" Seite noch längst nicht gewonnen ist


30.11.2009

Polit-Marketing finde ich schon interessant, aber sollen wir das Thema hier diskutieren...? Glaube es gibt schon, die eine Lösung des Problems finden sollen...Danke!


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werzurhoelle
Im Jahr 2004
bekam ich meine
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