Die Initiative an sich ist ja schon eine Provokation: Warum sollte eine anerkannte Religionsgemeinschaft weniger Rechte als andere haben? Dieser Inhalt ist nicht einfach zu verkaufen. Die Strategen der Volksvertretungspartei haben dafür eine sehr einfache und bewährte Kommunikationsstrategie. Sie provozieren. Dieses Verfahren zeigt aber Abnützungserscheinungen. Inzwischen müssen sie derart übertreiben, um überhaupt noch gehört zu werden, dass die Grenze des Erträglichen eindeutig überschritten ist.
Jasmin Hutter, werdende Mutter und Ex-Kampagnenleiterin zur IV-Initiative, erklärte die Strategie so: Man muss provozieren, um die Leute aus ihrer Lethargie zu reissen. Im SVP-Menschenbild von Frau Hutter ist der mündige Schweizer Bürger als eine lethargische Couch-Kartoffel ohne Interesse an der Politik seines Landes. Dass diese Provokationen die Grenzen des Anstandes überschreiten, haben wir zu akzeptieren gelernt, was für sich schon gefährlich wäre.
Nun wird aber der Respekt vor Andersgläubigen, das verfassungsmässige Recht auf Religionsfreiheit und die Antidiskriminierungsstrafnorm über den kommunikativen Haufen geschossen. Um die Bevölkerung gegen den Islam aufzuhetzen ist der SVP wieder jedes Mittel recht. An der gestrigen Chilbi in Oberriet habe ich zum ersten mal eine 2*2 Meter grosse Anti-Minarett-Fahne gesehen - da blieb mir die Spucke weg. Heute muss ich in der Zeitung lesen, dass Freizeit Poet Oskar Freysinger sich mit diesem Ausspruch hat zitieren lassen:
Nachtrag: Einen Tag nach der Publikation des Beitrags zeigt sich, dass die Einschätzung der stetigen Steigerung der Provokation wohl keine subjektive ist. Einige Städte wollen das Aufhängen dieses Plakatsujets verbieten und Verlagshäuser verweigern das Abdrucken als Inserat (siehe Tagesanzeiger).
Nun wird aber der Respekt vor Andersgläubigen, das verfassungsmässige Recht auf Religionsfreiheit und die Antidiskriminierungsstrafnorm über den kommunikativen Haufen geschossen. Um die Bevölkerung gegen den Islam aufzuhetzen ist der SVP wieder jedes Mittel recht. An der gestrigen Chilbi in Oberriet habe ich zum ersten mal eine 2*2 Meter grosse Anti-Minarett-Fahne gesehen - da blieb mir die Spucke weg. Heute muss ich in der Zeitung lesen, dass Freizeit Poet Oskar Freysinger sich mit diesem Ausspruch hat zitieren lassen:
«Auch viele Juden haben sich vor der Machtergreifung Hitlers gesagt: So schlimm werde es schon nicht kommen.»Ein Kommentar dazu ist wohl überflüssig. Man darf hoffen, dass die Eskalation der politischen Kommunikation an ihre natürliche Grenze stösst, wenn das Stimmvolk ihr vor lauter Abnutzung keine Aufmerksamkeit mehr schenkt. Und sogar Christoph Blocher wird irgendwann zu alt, um diese Partei zu führen. Die biologische Uhr der SVP tickt dem Ende zu.
Nachtrag: Einen Tag nach der Publikation des Beitrags zeigt sich, dass die Einschätzung der stetigen Steigerung der Provokation wohl keine subjektive ist. Einige Städte wollen das Aufhängen dieses Plakatsujets verbieten und Verlagshäuser verweigern das Abdrucken als Inserat (siehe Tagesanzeiger).
