In der kommenden Session will die St. Galler CVP eine Motion einreichen, die Spannendes fordert: Kleinkinder im Alter zwischen zwei bis fünf Jahren sollte mindestens drei Halbtage pro Woche in eine Spielgruppe oder eine andere betreute Gruppe gehen müssen.
Dann aber verliert die selbsterklärte Familienpartei den Boden unter den Füssen: Die CVP will dies nicht zu einem optionalen Angebot, sondern zur allgemeinverbindlichen Pflicht erheben. Der Staat soll den Eltern also die Kinder zwangsweise während drei Halbtagen pro Woche entziehen, um eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Da hört die Vernunft auf und beginnt der Staatsinterventionismus in der Kindererziehung deutsch-demokratischer Prägung.
Ganz abgesehen davon, dass die Finanzierung eines solchen Angebots alles andere als eine Kleinigkeit ist (zumal es wirklich für alle Kinder Platz haben müsste), ist das Anliegen eine Bankrotterklärung an das klassische Familienmodell. Ein Zwang träfe viele Familien, die ausreichend Zeit haben, sich um ihre Kinder zu kümmern. Die CVP will dem Staat damit nicht nur die Verantwortung für die Bildung übergeben, sondern auch die Erziehungsverantwortung verstaatlichen.
Ich finde eine Ausweitung des Krippenangebotes sinnvoll - es fehlen heute tatsächlich ausreichende Betreuungsmöglichkeiten. Wer dieses Anliegen aber mit einer Kindesentziehung verbindet zeigt, dass er es eigentlich gar nicht ernst meint. Chancen hat das Anliegen wohl eher nicht.
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